Entomologentagung 2017 der DGaaE

Vom 13. bis 16. März fand die Entomologentagung 2017 der „Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie“ (DGaaE) im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan statt. Der Schwerpunkt der Tagung behandelte Erkenntnisse und Fragen der Biologie und Ökologie von Insekten an Gehölzen. Ein Teilbereich war dem ALB und seiner Bekämpfung gewidmet.

Aus dem Einladungstext der DGaaE: „Die Entomologentagungen sind zweijährliche internationale Kongresse mit einem sehr breiten Themenspektrum, das nicht nur Insekten, sondern auch andere Arthropoden umfasst. Sie bringen Wissenschaftler/innen aller entomologischen Fachrichtungen und interessierte Gäste zusammen, um aktuelle Forschungsergebnisse, methodische Neuheiten und Strategien zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen zu diskutieren. Vortragssprachen sind Deutsch und Englisch. Wir hoffen, dass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen und insbesondere die jüngere Generation von Entomologen den Weg nach Freising finden werden. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!“

Von unserer BI hat der Tierökologe Dr. Wulf Riess die Veranstaltung besucht. Fachinhaltlich gab es bezüglich ALB keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Für unsere Hoffnung auf eine zunehmend angemessene Beurteilung des ALB und eine entsprechende Handlungsweise gab es nur kleine Lichtblicke, z.B.

  • im Vortrag von Olaf Schmidt, dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, „Neozoische Insekten an Bäumen – dulden, bekämpfen oder ausrotten?“ und mit seinem Plädoyer für eine unvoreingenommene Beurteilung über die Schädlichkeit des ALB.
  • Prof. Dr. Schliesske, Hamburg,  zeigte in seinem Beitrag noch einmal auf, dass er den ALB bereits seit Anfang der 90er Jahre im Hamburger Hafen gefunden hat und dass der ALB seit nunmehr über 20 Jahren (!) mit Paletten über ganz Deutschland und Europa verteilt wird. Bekanntlich hat das in Deutschland für die Beurteilung des ALB zuständige Fachinstitut, das Julius Kühn Institut in Braunschweig (JKI) bestätigt, dass in Deutschland bisher keine wesentlichen Schäden durch den ALB dokumentiert sind: “.. anlässlich einer Fällaktion in Schönebach wurden vom ALB abgetötete, inzwischen aber vernichtete Gehölze vorgefunden. Es gäbe ein Foto einer Weide in Deutschland, die nach einem ALB-Befall abgestorben ist.“ (aus Protokoll der Besprechung von JKI mit der BI Neubiberg vom 21.07.2015). Inzwischen gibt es 11 bestätigte Vorkommen des ALB in Deutschland. Prof. Dr. Schliesske plädierte angesichts der Fakten – u.a. weiterhin größtenteils unkontrollierte Einfuhr – für eine zwingend notwendige Lockerung der EU-Vorgabe.

Die Bereitschaft der Behördenvertreter, in unserem Sinne eine flexiblere EU-Vorgabe zu erwirken bzw. zu diskutieren, geht jedoch offensichtlich weiterhin gegen Null. Auch auf der Entomologentagung wurden von staatlicher Seite z.T. Horrorszenarien über die angebliche Gefährlichkeit des Käfers kommuniziert und die extremen Abholzungsmaßnahmen mit Zähnen und Klauen verteidigt. Dabei ist auf absehbare Zeit eine erhebliche Reduktion der Einfuhr oder gar Kontrolle von Entwicklungsstadien des Käfers durch Verpackungsholz, insbesondere aus Fernost, nicht realistisch, da nur ein Bruchteil der täglich die europäischen Grenzen überschreitenden Container mit Holzpaletten an den Grenzen kontrolliert wird.

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