ALB in Miesbach – Kurzer Bericht in quer (BR3)

Es tut sich etwas gegen die ausufernde und aggressive Umsetzung der EU-Ausführungsbestimmungen gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) in Bayern!

Die Gemeinde Miesbach und der Landkreis Miesbach haben Klage gegen die Allgemeinverfügung der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) erhoben, mit dem Ziel, die Fällmaßnahmen nur auf die fünft wichtigen und nachgewiesenen Wirtsbäume des ALB zu beschränken, welche da sind: Ahorn, Rosskastanie, Birke, Pappel und Weide. Näheres hierzu im Münchner Merkur und im DasGelbeBlatt

Wir zollen der Gemeinde und dem Landkreis Miebach unseren Respekt für ihre Entscheidung Klage zu erheben und wünschen ihnen und den Bürgern von Miesbach hierfür einen erfolgreichen Ausgang.

Da dem staatlichen Fällungsirrsinn nach unseren Erfahrungen nur schwer Einhalt geboten werden kann, sind wir umso mehr auf den Ausgang dieses Verfahrens sehr gespannt.  

 

ALB in Miesbach – Kurzer Bericht in quer (BR3)

 

Unser Kommentar dazu:

Es ist doch immer wieder ein zweifelhaftes Vergnügen Herrn Gerhard Kraus von der LfL – seit neuestem mit Hund Louis – mit immer gleichen Kommentaren im Fernsehen zu erleben: Als voll motivierter und strammer Kämpfer für die Umsetzung der EU-Ausführungsbestimmungen gegen den ALB, hintermalt mit der entsprechenden Kulisse von gefällten Bäumen und ganz in seiner Arbeit bei der Suche nach dem ALB aufgehend. Und da Louis keine ALB-Spur in den gefällten Bäumen finden kann, pinkelt der erst mal frustriert auf die unschuldigen Opfer eines sehr fragwürdigen Vorgehens.

In China werden zur Eindämmung von Sandstürmen in wüstennahen Gebieten vornehmlich schnellwachsende Hybridpflanzen, meistens in China nichtheimische Pappeln, angepflanzt (Grüne Mauer).  Diese Bäume sind generell durch die Monokulturen und die schlechte Bodenqualität viel anfälliger für Krankheiten und damit bei einem ALB-Befall weitaus gefährdeter als die Bäume hier bei uns in Bayern. Deshalb vernichtet der ALB in China jährlich schätzungsweise 500.000 Hektar der Grünen Mauer. Das Holz wird allerdings dann auch u.a. als Verpackungsholz (z.B. für Granitsteine oder Maschinenteile) industriell verwertet, wodurch eben auch Larven des ALB als blinde Passagiere nach Europa gelangen. Die geforderte thermische oder chemische Behandlung dieses Verpackungsholzes zur Abtötung der Larven findet teilweise nur unzureichend statt. Ebenso kann eine Überprüfung des Verpackungsholzes auf ALB-Befall in Europa nur stichprobenartig erfolgen (siehe hierzu auch In einem Viertel aller China-Importe krabbelt es).

Interessant hier ist übrigens auch die Aussage von Herrn Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des ALB am LfL, (Zitat aus dem Münchner Merkur vom 07.02.2020):

„In China, von wo aus er in alle Welt gelangte, war er gut in das natürliche Gleichgewicht integriert, berichtete Frank Nüßer von der Landesanstalt für Landwirtschaft im Miesbacher Stadtrat. Bis der Mensch eingriff. Um Wüsten zu kultivieren, wurden in China im großen Stil Pappeln, Weiden und Ulmen gepflanzt. Sie boten dem ALB auch dank der geringen Abstände ein ideales Verbreitungsgebiet. Der Käfer vermehrte sich explosionsartig in diesen Monokulturen – seine natürlichen Feinde wie Schlupfwespe und Pilze, die ihn zuvor in Schach hielten, waren chancenlos. Zudem lernte der Käfer, der am liebsten Ahorn befällt, auch weitere Holzsorten zu schätzen.“

Also Fazit: Der ALB war in das natürliche Gleichgewicht in China integriert und hatte natürliche Feinde. Erst die von Menschen geschaffenen Monokulturen haben beste Voraussetzungen für die Vermehrung des ALB geschaffen. Diese Voraussetzungen findet aber der ALB bei uns in Bayern nicht. Eine explosionsartige Ausbreitung kann deshalb so nicht stattfinden und die Gefährlichkeit des ALB wird bei Weitem übertrieben dargestellt. Die Ausführung von Herrn Kraus im Film, in China seien dem Käfer schon Millionen Bäume zum Opfer gefallen, ist somit irreführend. So gibt es in Deutschland allenfalls nur eine Handvoll Bäume, deren Absterben auch auf die Mitwirkung des ALB zurückzuführen ist. Ob und wie sich der ALB in einer urbanen Umgebung überhaupt entwickeln kann ist weiterhin ungeklärt. 

Laut EU-Ausführungsbestimmung von 2016 sind tatsächlich über 80 (!) Arten und Unterarten (!) bezüglich Fällung in Europa betroffen. Um diese im Sinne einer differenzierteren Bekämpfung des ALB (maximal Fällung nur der 5 Hauptwirtspflanzenarten) zu ändern, ist dringend erforderlich, dass die Bayerische Landwirtschaftsministerin Frau Kaniber sich an das Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und an das Julius Kühn-Institut (JKL) wendet, um eine sachgerechte Anpassung der EU-Vorgabe zu erreichen.

Aber insgesamt – eigentlich wie immer – konnte oder wollte auch dieser Beitrag in quer (wir schätzen diese Sendung eigentlich sehr), unsere Position und Argumente leider nur sehr rudimentär wiedergeben. Als promovierter Tierökologe hat Dr. Wulf Riess über 20 Jahre am Bayerischen Umweltministerium gearbeitet und kennt Betrieb und Verfahrensweisen bayerischer Behörden. Für ihn ist das sture Durchsetzen eines Beschlusses ohne Wenn und Aber also nichts Neues. Hierzu hätte es doch noch einiges zu sagen und zu senden gegeben.

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