Fallstudie aus Kanada / ALB-Satelliten-Population

Decade-Old Satellite Infestation of Anoplophora glabripennis Motschulsky (Coleoptera: Cerambycidae) Found in Ontario, Canada Outside Regulated Area of Founder Population.

In diesem Bericht geht es um eine 10-Jahre alte ALB-Satelliten-Population, die in der Nähe eines schon bekämpften ALB-Befallsgebietes, in dem der ALB als ausgerottet erklärt wurde, zufällig entdeckt wurde.

Abstrakt

Nachdem im September 2003 der ALB im Grenzgebiet von Toronto und Vaughan entdeckt wurde (Toronto/Vaughan-Population), wurde im Januar 2004 mit der ALB-Bekämpfung in einem Gebiet von ca. 150 km² begonnen. Es wurden alle befallen Bäume und alle potenziellen Wirtsbäume der Gattungen Acer (Ahorn), Aesculus (Rosskastanie), Albizia (Akazie), Betula (Birke), Celtis (Zürgel-/Nesselbaum), Platanus (Platane), Populus (Pappel), Salix (Weide), Sorbus (Mehlbeere auch Vogelbeere, Eberesche oder Elsbeere) und Ulmus (Ulme) im Umkreis von 400 m um befallene Bäume gefällt und entsorgt. Weiter wurde ein umfangreiches Monitoring innerhalb und auch außerhalb der Bekämpfungszone durchgeführt. Der letzte Baum mit ALB-Befallsmerkmalen wurde 2007 gefunden. Nachdem in den folgenden 5 Jahren kein weiterer ALB-Befall festgestellt wurde, erklärte die CFIA (Canadian Food Inspection Agency, u.a. zuständig für die ALB-Bekämpfung) im April 2013 das Gebiet als ALB-befallsfrei. (Bemerkung BI: in Summe wurden 665 Bäume mit ALB-Befallsmerkmalen und fast 30.000 potenzielle Wirtsbäume entnommen).

Am 13. August 2013 entdeckte dann ein Anwohner auf seinem Auto (Parkplatz im Gewerbegebiet Malton in Mississauga) einen adulten ALB-Käfer, fing diesen ein und meldete den Fund der CFIA. Dieser Parkplatz war ca. 2 km außerhalb des Toronto/Vaughan-Befallsgebietes und ca. 10 km vom damaligen Zentrum des ALB-Befalls entfernt. Der letzten Baum mit einem Ausbohrloch befand sich in einer Entfernung von 7,5 km. Eine durchgeführte DNA Analyse ergab, dass der Käfer der Toronto/Vaughan-Population entstammte.

Bis Oktober 2013 wurden dann im Umkreis von 2,4 km von Fundort alle potenziellen Wirtsbäume untersucht. Es wurden dabei nur 29 Bäume mit möglichen ALB-Befallsmerkmalen gefunden. Drei Bäume hatten Mehrfachstämme in Bodenhöhe, die dann auf Höhe von 1,5 m als Einzelstämme gezählt wurden, so dass sich damit 35 befallene Bäume ergaben. Bei 25 Bäumen wurde durch gefundenes Lebendmaterial zweifelsfrei ein ALB-Befall festgestellt, die restlichen 10 Bäume wiesen andere ALB-Befallsspuren auf. Zweiundzwanzig der 35 Bäume hatten kein Ausbohrloch, die anderen zwischen <10 (10 Bäume), 10-30 (2 Bäume) und >30 Stück (1 Baum) (siehe Graphik im Artikel). Das Alter dieses ALB-Befalls wurde auf 3-5 Jahre geschätzt.

Basierend auf der molekulare Analyse der ALB-Funde und der geringen Anzahl der befallenen Bäume (hier insbesondere mit Ausbohrlöchern) ergaben sich zwei Möglichkeiten:

  1. neue ALB-Population (aus den Chinesischen Provinzen Anhui, Hebei und/oder Liaoning, wo dieser Haplotyp ebenfalls vorkommt), oder
  2. alte, aber übersehene ALB-Population basierend auf der Toronto/Vaughan-Population oder eines anderen Befalls in der Gegend um Toronto (Satelliten-Population).

Bis März 2014 wurde daraufhin ein 10 km-Radius um den Fundort des ALB-Käfers systematisch untersucht.

Grid

Das normalerweise verwendete dreieckige Untersuchungsraster mit einer Seitenlänge von 1.300 m wurde hierfür auf eine Seitenlänge von 750 m verfeinert. In einem einzelnen Dreieck wurden dann bis zu 30 Ahornbäumen visuell untersucht.

Mehr oder weniger zufällig wurde dabei ein 3-stämmiger Ahorn mit >800 Ausbohrlöchern gefunden, der versteckt in einem Hinterhof hinter geparkten Anhängern an einem Zaun wuchs. Der Ahorn wurde in 1,0-1,5 m große Stücke zerlegt, in ein Quarantänelabor verbracht und dort weiter in 2,5-5,0 cm dicke Scheiben zersägt und untersucht. Aufgrund der Jahresringe (siehe Bild im Artikel) wurde festgestellt, dass die ersten ALB-Schädigungen schon 2004 (evtl. schon 2003) erfolgt waren, was die These einer Satelliten-Population erhärtete. Diese wurde vermutlich schon 2003 durch das Verbringen von z.B. Feuerholz aus dem ursprünglichen Befallsgebiet verursacht.

Die ALB-Bekämpfung begann schon im Februar 2014. Alle Bäume mit ALB-Befallsmerkmalen wurden gefällt. Zusätzlich wurden im Umkreis von 800 m (Radius 400 m) um befallene Bäume alle potenziellen Wirtsbäume der Gattung Ahorn, Birke, Pappel und Weide gefällt und entsorgt. Während dieser Arbeiten wurden weitere 11 Bäume mit geringen ALB-Befallsmerkmalen entdeckt. (Bemerkung BI: Insgesamt wurden zwischen Februar und Mai 2014 7.500 Bäume entnommen, davon etwa 5.000 Bäume im Wildwood Park in Malton).

Festzuhalten ist, dass die Satelliten-Population (Mississauga-Population) sich 6-7 Jahre auf einem einzigen Baum vermehrt hat, bevor sie dann weitere Bäume befallen hat. Dabei war der weiteste Baum 300 m vom Befallszentrum entfernt. Innerhalb von 10 Jahren wurden nur ca. 50 Bäume befallen. Neunundvierzig der 50 befallen Bäume gehörten zur Gattung Ahorn (38 Eschen-Ahorn, 11 Spitzahorn), ein Befall wurde an einer Weide festgestellt. Ein entsprechendes Monitoring im neuen Befallsgebiet findet für die nächsten 5 Jahre statt. Wird in diesem Zeitraum kein neuer ALB-Befall festgestellt, soll dieses Gebiet als ALB-befallsfrei erklärt werden.

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Als Fazit wurde im Wesentlichen folgendes festgestellt:

  1. Die Entdeckung einer ALB-Satelliten-Population, die sich auf nur wenige Bäume beschränkt, ist schwierig und eher zufällig, unabhängig von denen im ursprünglichen Befallsgebiet getroffenen Maßnahmen (z.B. Monitoring).
  2. Die Einbeziehung, Mitarbeit und Information der Bevölkerung ist zwingend notwendig (beide ALB-Populationen wurden durch Privatpersonen entdeckt).

Zusätzliche Quellen: http://www.nrcan.gc.ca/forests/fire-insects-disturbances/top-insects/13369

 

Unser Kommentar dazu:

  • Eine absolute Feststellung „der ALB ist hier ausgerottet“, kann es nicht geben.
  • Die Gefährlichkeit des ALB entspricht bei weitem nicht dem, was seitens der Behörden kommuniziert wird. Die Mississauga-Population stellte weder in ihrer Ausbreitung noch in ihrer Vermehrungsrate nach 10 Jahren eine direkte und unmittelbare Gefahr für den Baumbestand oder gar Bewohner dar (analog zum ALB-Befall in Neubiberg).
  • Das Alternativszenario, der ALB-Käfer wäre nicht auf dem Auto entdeckt worden, muss gegen das präventive Abholzen von 7.500 gesunden Bäumen gestellt werden und das bei nur 50 gefundenen Bäumen mit mehr oder weniger starken ALB-Befallsmerkmalen.
  • Weiter ist hier auch noch offen, wo die ALB-Käfer geblieben sind. Bei >800 Ausbohrlöchern müssten hier eigentlich doch mehr Käfer gefunden worden sein.

 

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